Jedes Chemie-, Öl- und Gasunternehmen wird mit Anlagen konfrontiert, die aufgrund von Stillstandszeiten ihr volles Produktionspotenzial nie erreichen. Wenn die Verfügbarkeit einer bestimmten Anlage 97 Prozent beträgt, sind die restlichen 3 Prozent verlorenes Geld.

Top_Quartile_Stats_v7_PM_Maintenance.pngFür Unternehmen, die die höchste Kapitalrendite erreichen möchten, liegt das Ziel darin, so viel Produktionspotenzial wie möglich aus einer Kapitalanlage im Werk herauszuholen, z. B. durch Steigerung der Produktion zur Erfüllung der Produktnachfrage. Hierzu müssen die Gründe für das „tote Kapital“ erforscht und anschließend Maßnahmen getroffen werden, um es wiederzubeleben. Unternehmen im obersten Leistungsquartil tun genau das – sie generieren Gewinne in der Anlagenperformance von durchschnittlich zusätzlichen 350 Betriebsstunden pro Jahr. Diese zusätzlichen zwei Produktionswochen wirken sich in Form von größeren Gewinnen direkt auf die Bilanz aus. In der heutigen, sehr schwierigen industriellen Betriebsumgebung, die durch niedrige Rohölpreise und historisch hohe Raffineriekosten charakterisiert wird, kann totes Kapital, das die Unternehmensrentabilität und den Unternehmenswert negativ beeinflusst, nicht toleriert werden. Die Steigerung der Produktivität von bestehenden Anlagen ist oft das einzige kurzfristige Mittel, um höheren Wert für Investoren zu schaffen.

Für die meisten Unternehmen ist der beste Anfangspunkt eine Analyse der drei häufigsten Quellen für totes Kapital – nicht optimal genutzte Technologien, unproduktive Arbeit und Überbestände an Ersatzteilen. “„Sie müssen die Gelegenheiten erkennen und nutzen, um die Anlagenperformance zu optimieren“,” sagt Will Goetz, Vice President of Business Development and Marketing for Reliability Consulting bei Emerson Automation Solutions. “Anschließend müssen Sie einen Strategieplan entwickeln, um diese Performance zu optimieren.”

Messbare Gewinne

sorgen dafür, dass sich diese Anstrengung wirklich lohnt. Unternehmen im obersten Leistungsquartil haben Gesamtstillstandszeiten von weniger als 3 Prozent, wobei Unternehmen, die unterhalb des Durchschnitts liegen, gemäß einer kürzlich durchgeführten Solomon-Studie bzgl. Zuverlässigkeit und Wartung oft eine Gesamtstillstandszeit von 5 bis 14 Prozent aufweisen. Die Studie zeigte auch, dass die Wartungskosten von Unternehmen im obersten Leistungsquartil weniger als 2 Prozent des Anlagen-Wiederbeschaffungswertes betragen, während Unternehmen im den unteren Leistungsquartilen zwei- bis viermal mehr ausgeben können. Diese Prozentangaben ergeben beachtliche Beträge. Eine Ölraffinerie mit 1 Milliarde US-Dollar Umsatz im obersten Leistungsquartil gibt beispielsweise durchschnittlich 12 bis 20 Millionen US-Dollar pro Jahr für die Wartung aus. Eine Raffinerie im untersten Leistungsquartil gibt dagegen zwei- bis viermal so viel aus. “„Wir schätzen, dass das Einsparungspotenzial in den Bereichen Wartung und Zuverlässigkeit jährlich ungefähr 50 Millarden US-Dollar beträgt“, sagt Goetz.

Goetz Pull Quote2.pngDas ist eine Menge Gewinn, der auf dem Tisch liegen bleibt. Goetz merkte an, dass bis zu 60 Prozent der Wartungsarbeiten unproduktiv oder unnötig sind. Andere Quellen toten Kapitals umfassen die mangelnden Investitionen in Überwachungstechnologien und eine übermäßige Investition in Ersatzteile: Bereiche, die verbessert werden können, um mehr Geld für strategische Zwecke freizustellen. Durch das Benchmarking von Anlagenbetrieben gegenüber Konkurrenten können Unternehmen feststellen, welche der drei Quellen toten Kapitals die größte Gelegenheit für signifikante Gewinne gewährt. Sehen wir uns diese Quellen jetzt einzeln näher an. Wir beginnen mit nicht optimal genutzter Technologie.

Viele Anlagen verfügen über integrierte intelligente Technologien zur Verwaltung des Produktionsprozesses. Integrierte Sensoren messen Temperatur, Durchflussdruck, Schwingungen, Reibung, das Öffnen und Schließen von Ventilen und andere Faktoren, die eventuell auf einen Ausfall oder Fehler hinweisen, der zu einem Stillstand führen kann. Unternehmen haben außerdem erhebliche Summen in Schutzsysteme investiert, die Maschinen abschalten und so die Möglichkeit von katastrophalen Fehlern und längeren Stillstandszeiten reduzieren. Was wäre, wenn dieselben Hilfsmittel eine noch frühere Warnung bezüglich entstehender Probleme geben könnten?

Laut Goetz können sie es. “„Diese Multi-Millionen-Dollar-Zustandsüberwachungssysteme umfassen Prozessmanagement- und Informationsfunktionen zur Fehlererkennung, die nicht genutzt werden“, sagt er. “Diese Investitionen können mehr Informationen liefern, um Anlagen früher zu reparieren und um Reparaturen für Zeiten zu planen, wenn die Produktionsleistung der Anlage am wenigsten wert ist. Und noch viel wichtiger ist, dass die Informationen genutzt werden können, um zu erkennen, wenn der fortgesetzte Betrieb einer Anlage ein Sicherheitsrisiko darstellen kann.”

Zustandsinformationen können außerdem wirksam genutzt werden, um eine andere Quelle toten Kapitals wiederaufleben zu lassen – zu große Ersatzteilbestände. Durch eine bessere Kenntnis zu erwartender Probleme braucht eine Anlage nur die Teile auf Lager halten, die benötigt werden, wenn eine Situation ein Einschreiten verlangt. Dies setzt Kapital für wichtigere Investments frei.

Dead Money.pngUnproduktive Arbeit – der Unterschied zwischen geplanter und ungeplanter Wartungsarbeit – ist die dritte Ursache für totes Kapital. Je mehr Zeit das Wartungspersonal mit geplanten Wartungsarbeiten verbringt, um so weniger muss es für Zeit bezahlt werden, in der das Personal extra Arbeit für ungeplante Reparaturen leisten muss.

„Geplante Arbeit ist doppelt so produktiv wie ungeplante Arbeit“, sagt Goetz. Durch die frühzeitige Vorhersage des Wartungsbedarfs von Maschinen können Arbeitskräfte vom Standpunkt der Zeitausnutzung effizienter verwaltet werden. “„Der Anlagenzustand bestimmt die geplanten Arbeiten“, erklärt er.

Manche Unternehmen zweifeln vielleicht an den Gewinnen, die durch Maßnahmen zur Wiederbelebung „toter Kapitalquellen“ erzielt werden können. Um diese Bedenken auszuräumen, sollte klein angefangen werden, indem tote Geldquellen anfangs nur in einer einzigen Anlage identifiziert werden. Bewerten Sie die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen, um die Verbesserungen zu validieren und anschließend die Resultate mit den Mitbewerbern zu vergleichen. Wenn Sie sich über die Vorteile im Klaren sind, sollten Sie diese Maßnahmen unternehmensweit umsetzen.

Da die Fähigkeit, auf Marktbedingungen zu reagieren, durch Produktionszwänge eingeschränkt wird, ist die Wiederbelebung von totem Kapital aus bestehenden Quellen ein garantierter Weg zur Gewinnsteigerung.

Besuchen Sie den Emerson Process Experts Blog für weitere Artikel bezüglich des Vice President for Business Development und Marketing von Emerson, Will Goetz.

Russ Banham ist ein Pulitzer-nominierter Wirtschaftsjournalist und Autor. Sein neues Buch, “Higher: 100 Years of Boeing,” ist jetzt in Buchläden erhältlich.